Wie Hass erblüht

Rechte Hetze bedient sich einer Kommunikationsform, die Fakten verschleiert und unbewusste Reize überraschend perfekt triggert.
Mit fatalen Folgen für alle, die diese Mechanik nicht verstehen:

Denn du wirst zum Mitläufer, ohne es zum merken!

 

 

1  Die Lüge 

"Eine Lüge ist eine Aussage, von der der Sender weiß oder vermutet, dass sie unwahr ist, und die mit der Absicht geäußert wird, dass der Empfänger sie trotzdem glaubt..." (Wikipedia)

 

... Aussteigen ist immer schwerer als einsteigen

, oder anders formuliert

eine aufschlussreiche Definition

Die Ochsentour

Weit hinten im Tal, direkt bei der alten Wasserstelle, war ein rostiger, schwerer Eisenring an einem mannshohen Pfahl befestigt. Dort band der Knecht vom reichsten Bauern der Gegend einmal am Tag den Ochsen an und ließ ihn saufen. Daneben steckte ein krummer Ast im Boden, an dem ein vergilbter Karton hing. Darauf stand in unbeholfener Handschrift: „Vieh anbinden verboten.“

 

Der Bauer steckte so ein Territorium ab, das ihm zwar nicht gehörte, das er aber so selbstverständlich für sich beanspruchte, dass niemand im Dorf sein eigenes Vieh an der flacheren, leichter zugänglicheren Seite der Wasserstelle saufen lies.

 

Damit das auch so blieb, erzählte der Bauer bei jeder Gelegenheit, dass sein Ochse den Biss einer Kreuzotter genau an dieser Stelle nur deshalb überlebt habe, weil er eben der stärkste und gesündeste Ochse im ganzen Tal war. Jedes andere Viehzeug wäre jämmerlich verreckt. Und davor wolle er das liebe Vieh der Anderen schützen.

 

So mutierte eine für jeden erkennbare, verlogene Geste scheinbarer Fürsorge zur allseits akzeptierten, moralischen Norm. Und jeder, der aufbegehrte, nahm nicht nur billigend den unwahrscheinlichen, aber immerhin möglichen Gifttod seiner Tiere in Kauf. Er stempelte sich selbst auch als Bauer der übelsten Sorte ab, der guten Ratschlägen partout nicht folgen wollte und eigentlich so gar nicht in die saubere Dorfgemeinschaft passte.

 

Dass ein solches Verhalten nichts anderes als systematisch geplante Ausgrenzung von Menschen ist, die - im Ochsenfalle - der Gier des Bauern im Wege standen, wird jeder Beteiligte leugnen.

 

 

2 Bauer oder Knecht

Natürlich darf man sich fragen, wie so eine himmelschreiende Ungerechtigkeit hoffähig werden konnte. Nur wundern sollte man sich nicht. Denn schnell wird man auf zwei Begriffe stoßen, die uns mehr am Gängelband der völligen Unwissenheit führen, als uns lieb sein kann:

 

Der Herdentrieb und die Angst.


Ersterer folgt einer sehr simplen Logik und gibt einfach der Masse recht. Weil sich so viele ja nicht irren können. Wer es versteht, die Mehrheit hinter sich zu bringen, hat schon viel gewonnen. Dabei helfen bereits kleinste Versprechungen, die der Herde einen Vorteil bieten und schon blökt sie in dankbarer Verbundenheit das hohe Lied von Gleichheit und Brüderlichkeit.

 

Mit der Angst funktioniert es dummerweise noch einfacher. Denn Vorteile für die Masse sind vielfältig und sehr unterschiedlich. Die unter einen Hut zu bringen, bedeutet immer auch viel Aufwand.

Aber Angst - Angst macht es den Manipulatoren geradezu lächerlich einfach. Denn unsere Reaktion darauf scheint evolutionär determiniert zu sein und bietet nur zwei Möglichkeiten: Flucht oder Angriff.

 

Welche Richtung gewählt wird, hängt von unserem Selbstwert ab. Und diese Beobachtung führt uns direkt zu den überraschend erfolgreichen kommunikativen Strategien rechter Gewalt. Denn eines vereint alle Hetzer und Hasser: es gibt deutlich mehr selbstwertgebeutelte Knechte als selbstverliebte Bauern. Masse steht massig zur Verfügung.

 

Findet also der selbstgekrönte Bauer mittels einer Geschichte (ob wahr oder nicht) den richtigen Zugang in die Entscheidungszentren seiner Schäflein, dann hat er sie sprichwörtlich „im Sack“.

 

Diese unreflektierten Knechte bilden dann ruck zuck das Fundament einer Macht, die selbstverständlich (und im besten Falle gottgegeben) nur wenigen obliegt. Ein Prinzip, das übrigens so alt ist wie die Menschheit selbst und im Kolonialismus oder den Kreuzzügen  widerwärtige Höhepunkte fand. 

 

In uns schlummert also mehr oder weniger ständig präsente Angst. Deshalb bewerten wir viele Situation nicht refletiv und mit Abstand sondern aus dem Blickwinkel einer individuellen Bedrohung. Rationale Reaktionen sind dadurch fast gänzlich ausgeschlossen. Und dank gelernter Verhaltensmuster bleibt uns nicht viel mehr übrig als mit Angriff oder Flucht zu reagieren.

 

Das macht sich kluge Kommunikation zunutze. Faktisch beleg- und belastbare Inhalte dienen dabei allerdings - wenn überhaupt - nur der expliziten (bewussten) Interpretation. Dein Verstand argumentiert, was dein Bauch längst entscheiden hat.

 

Carl Michaëlis bezeichnet in der überarbeiteten Ausgabe von „Kirchner’s Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe“, Hass als „die leidenschaftliche Abneigung gegen das, was uns Unlust bereitet hat.“

Demnach hat Hass nicht das geringste mit einer ausgewogenen Einschätzung der Dinge zu tun. Er entsteht aus einem Bauchgefühl inbrünstiger Unlust. Wer dabei an einen völlig unkontrollierbaren  Hirsch zu Brunftzeiten denkt, zeichnet ein ausreichend detailliertes Bild menschlicher Verhaltensmuster .

 

3 Eigennutz ist der Welten Lohn

Strategisch so geplant oder nicht: Populisten nutzen das Jahrtausende alte Erfolgsprinzip aller  Religionen: Angst schüren und gleichzeitig Erlösung versprechen. „Mir nach“ ist und bleibt das geflügelte Wort herzloser Seelenfänger in einer dualen Welt. Und Belohnung der genetisch definierte Lockstoff.

 

Um diesen eigentlich unseligen Umstand besser zu verstehen, muss man ein klein wenig in die aktuelle Wahrnehmungs- und Gehirnforschung eintauchen. Die unterscheidet nämlich explizite (bewusste) und implizite (unbewusste) Wahrnehmung.

 

Bereits hier finden sich erste Hinweise darauf, was es den Populisten so verdammt einfach macht: Wir Menschen fühlen mehr als wir denken! Fakten (explizit) sind immer anstrengend, weil sie mit vorhandenen Gedächtnisinhalten abgeglichen werden müssen. Unglücklicherweise ist unser Gehirn aber faul und nicht wirklich daran interessiert, zu arbeiten. Es verlässt sich lieber auf bereits gelernte und bekannte Muster, als immer wieder Neues zu lernen.

 

Der eigentliche Knochenbrecher sauber recherchierter Informationen ist aber das (implizite) Gefühl. 

 

Der renommierte Psychologe Prof. Dr. Shalom H. Schwarz (Experte für Cross-Cultural Psychology der Hebrew University of Jerusalem) warf in den 1980er Jahren die Frage auf, ob es so etwas wie universelle Werte gibt. Um es kurz zu machen: Ja, die gibt es.


In einer sehr umfassenden Studie (Schwartz Value Survey) mit 20 teil-nehmenden Ländern auf der ganzen Welt konnte er 10 Wertedimen-sionen feststellen, die unabhängig von Nation, Kultur oder Sprache nachweisbar bei allen gleich oder sehr ähnlich waren.

Diese Wertedimensionen - im Marketing auch als Emotions- und Motivationsfelder bekannt - wirken direkt auf das Belohnungssystem. Hier spielt sich der eigentliche Entscheidungsprozess ab.

Ausgelöst durch die nachweisbar am stärksten wirkende Eigennutz-motivation des Menschen löst allein die Aussicht auf eine Belohnung soviel Dopamin aus, dass die Entscheidung längst gefallen ist, bevor wir überhaupt richtig darüber nachdenken könnten.

Im Marketing werden diese Erkenntnisse schon länger umgesetzt. In der Politik zeigt uns erstaunlicherweise leider nur die rechte Meute, wie man ​damit manipulieren und erfolgreich auf Stimmenfang gehen kann.

4 Hass wächst nicht durch Dummheit​

Es scheint vielen erstrebenswert zu sein, andere für dumm zu verkaufen. Oder ihnen zumindest zu attestieren, dass ihre geistigen Fähigkeiten denen eines Tieffliegers ähnelt. Damit beweisen sie aber nur eins: das eigene Denken hat einen sehr, sehr engen Tellerrand.

Einerseits benötigt die Verknüpfung einer platten Wahrheit selbstverständlich ein schlichtes Gemüt. Andererseits sind die Adressaten der Botschaften von oben nicht die wirklich Gefährlichen. Das wird erst dann zum Problem, wenn eine kritische Masse überschritten ist.

Bis dahin sollte unser Augenmerk aber den kommunikativen Architekten der braunen Botschaften gelten. Und dabei tun wir gut daran, sie keinesfalls zu unterschätzen​. Denn sie sind alles andere als dumpfe Idioten. Zumindest scheinen sie das Handwerkszeug funktionierender sozialer Strukturen im Netz deutlich besser als ihre Kollegen zu beherrschen.

Hass hat System

Die meisten von uns dachten oder denken eventuell noch heute, dass sich der Hass einfach unkontrolliert über uns ergießt.

Das ist falsch.

Es handelt sich um ausgeklügelte Systeme, deren Macher genau wissen, welche Kanäle mit welchen Botschaften zu bedienen sind. Und sie wissen auch sehr genau, wie tief verankerte Emotionen ausgelöst werden, ohne strafrechtliche Relevanz zu erlangen.

Das Beispiel ist schon etwas älter, zeigt aber anschaulich die perfide Vorgehensweise. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Stefan Brandner postete damals (Dez. 2017) folgendes:​

Die Staatsanwaltschaft Gera sah darin nach rechtlicher Prüfung  ​kein strafbares Verhalten. Aber hier geht es nicht um Recht​sprechung sondern um kommunikatives Verhalten, das einen Assoziationsraum eröffnet und diesem mit einem entsprechenden Text​ in eine eindeutige Richtung lenkt. Nämlich dass Gewalt eine gängige und akzeptable Option im politischen Alltag sei.

Ein Gänseblümchen neben dem Glas hätte sicherlich andere Kommentare auf den Post ausgelöst als das machetenähnliche Messer.

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